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AWS dünnt sein IoT-Portfolio aus: Die Abbauliste 2026 und was sie für Ihre Plattform-Strategie bedeutet

1. August 2026
Timo WevelsiepTimo Wevelsiep
thingshost

AWS dünnt sein IoT-Portfolio aus: Die Abbauliste 2026 und was sie für Ihre Plattform-Strategie bedeutet

AWS beendet IoT Events, Analytics und Greengrass V1, weitere Dienste eingefroren. Die Abbauliste 2026 und wann ThingsBoard der robustere Pfad ist.

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Innerhalb von zwölf Monaten hat AWS sechs IoT-Dienste und -Funktionen beendet oder eingefroren: AWS IoT Analytics ist seit dem 15. Dezember 2025 abgeschaltet, AWS IoT Events seit dem 20. Mai 2026, SiteWise Monitor und FleetWise nehmen keine neuen Kunden mehr auf, Device Defender Detect folgt zum 31. August 2026, und Greengrass V1 erreicht am 7. Oktober 2026 sein Support-Ende. AWS IoT Core selbst ist nicht betroffen, das gehört zur ehrlichen Einordnung. Trotzdem stellt die Häufung eine Frage, die jeder IoT-Verantwortliche beantworten muss: Wie viel Ihrer Architektur hängt an Diensten, deren Lebenszyklus allein der Anbieter bestimmt? Dieser Beitrag dokumentiert die vollständige Abbauliste mit allen Fristen und Primärquellen, ordnet das Muster dahinter ein und liefert ein Strategie-Raster: wann Sie bei AWS gut aufgehoben bleiben und wann eine Open-Source-Plattform wie ThingsBoard mit Hosting in Deutschland der robustere Pfad ist.

Auch interessant: AWS IoT Events ist tot (EOL 20.05.2026): Detector Models zu ThingsBoard migrieren · ThingsBoard vs. AWS IoT Core: Open Source gegen Amazon-Cloud


Die Abbauliste 2026 auf einen Blick

Dienst / Funktion Status Neukundenstopp Endtermin
AWS IoT Analytics End of Support, vollzogen 24.07.2024 15.12.2025 [2]
AWS IoT Events End of Support, vollzogen 20.05.2025 20.05.2026 [1]
AWS IoT SiteWise Monitor + Edge Data Processing Pack Maintenance 07.11.2025 offen [3]
AWS IoT FleetWise Maintenance 30.04.2026 offen [5]
AWS IoT Device Defender Detect Maintenance 31.08.2026 offen [7]
AWS IoT Greengrass V1 Sunset Extended Life seit 30.06.2023 [10] 07.10.2026 [9]

Sechs Dienste, sechs Fristen: Was AWS 2025/2026 zurückbaut

Die Liste ist keine Interpretation, sondern dokumentierter Stand der offiziellen AWS-Ankündigungen. Zwei Dienste sind bereits vollständig abgeschaltet, drei sind eingefroren, einer hat seinen Stichtag noch vor sich.

IoT Analytics und IoT Events: die vollzogenen Abschaltungen

AWS IoT Analytics, der verwaltete Pipeline-Dienst für IoT-Datenaufbereitung, erreichte sein Support-Ende am 15. Dezember 2025; Neukunden wurden bereits seit dem 24. Juli 2024 nicht mehr aufgenommen [2]. AWS IoT Events, der Dienst für Zustandslogik und Detector Models, folgte am 20. Mai 2026: Neukunden waren seit dem 20. Mai 2025 ausgeschlossen, und nach dem Stichtag besteht kein Zugriff mehr auf Konsole und Ressourcen [1].

Wie hart dieses "End of Support" gemeint ist, zeigt ein Detail: Die ursprüngliche Support-Ende-Seite ist inzwischen selbst aus der AWS-Dokumentation verschwunden, und die frühere Produktseite leitet auf die allgemeine AWS-IoT-Übersicht um. Belastbar zitierbar bleibt nur noch der archivierte Stand der Dokumentation [1]. Wer nach dem Stichtag Definitionen exportieren oder Konfigurationen nachschlagen wollte, war zu spät.

Diese beiden Fälle sind keine Premiere. Schon am 18. Oktober 2025 endete Fleet Hub, das Flotten-Dashboard von AWS IoT Device Management [11], und zuvor waren bereits kleinere Dienste wie AWS IoT 1-Click (Ende 2024) eingestellt worden. Wie Sie bestehende Detector Models konkret auf ThingsBoard übertragen, haben wir in einem eigenen Migrationsleitfaden dokumentiert.

SiteWise Monitor, FleetWise, Device Defender Detect: eingefroren

SiteWise Monitor, das Dashboard-Frontend von AWS IoT SiteWise, und der SiteWise Edge Data Processing Pack wurden mit dem Service-Availability-Update vom 13. Oktober 2025 in den Maintenance-Modus verschoben und nehmen seit dem 7. November 2025 keine neuen Kunden mehr auf [3]. Als Ersatz für die Monitor-Dashboards empfiehlt AWS die Migration zu Amazon Managed Grafana; der SiteWise-Kerndienst und Managed Grafana bleiben ausdrücklich voll unterstützt, betroffen ist nur die Visualisierungsschicht [4]. Wer ohnehin über den Dashboard-Unterbau nachdenkt, findet die Abwägung zwischen einer IoT-Plattform und einem reinen Visualisierungswerkzeug in unserem Vergleich ThingsBoard vs. Grafana.

AWS IoT FleetWise, der Dienst für Fahrzeugdaten, wurde mit der Ankündigung vom 31. März 2026 in den Maintenance-Modus überführt; für Neukunden ist er seit dem 30. April 2026 geschlossen [5]. AWS betont, weiterhin Security-Updates zu liefern und die Verfügbarkeit für Bestandskunden aufrechtzuerhalten; ein Abschaltdatum ist nicht genannt [6].

Beim Sicherheitsdienst AWS IoT Device Defender betrifft der Rückbau nur einen Teil: Das Detect-Feature, die Anomalie-Erkennung im Geräteverhalten, wurde am 30. Juni 2026 für den Maintenance-Modus angekündigt und ist ab dem 31. August 2026 für Neukunden nicht mehr verfügbar [7]. Das Audit-Feature ist nicht betroffen; AWS schreibt wörtlich, an der Verfügbarkeit des Device-Defender-Audits ändere sich nichts [8].

Greengrass V1: Stichtag 7. Oktober 2026

Die nächste harte Frist trägt die erste Generation der Edge-Runtime. AWS beendet den Support für AWS IoT Greengrass Version 1 am 7. Oktober 2026; danach sind Konsole und Ressourcen der V1 nicht mehr erreichbar, und der offizielle Pfad ist die Migration auf Greengrass V2 [9]. Neu ist das nicht: Die V1-Software befindet sich bereits seit dem 30. Juni 2023 in der Extended-Life-Phase [10], und im Oktober-2025-Update wurde Greengrass V1 offiziell als "Entering Sunset" gelistet [3]. Mehr als drei Jahre Vorlauf sind fair, aber das Ende ist jetzt terminiert.

Was ausdrücklich nicht betroffen ist

Zur sauberen Einordnung gehört, was nicht auf der Liste steht. AWS IoT Core, der MQTT-Broker und das Herzstück des Portfolios, taucht in keinem der drei Service-Availability-Updates vom Oktober 2025, März 2026 und Juni 2026 auf und hat keine Lifecycle-Ankündigung [3][5][7]. Der SiteWise-Kerndienst mit Asset-Modellen und Datenerfassung bleibt voll unterstützt [4], Greengrass V2 ist der aktiv empfohlene Migrationspfad [9], und das Device-Defender-Audit-Feature läuft unverändert weiter [8]. Wer heute ausschließlich IoT Core für Konnektivität und Geräteverwaltung nutzt, hat akut keinen Handlungsdruck.

Fair ist auch der Blick auf das Wie: AWS kündigt diese Schritte mit dokumentierten Fristen an, veröffentlicht Migrationsanleitungen [4][9] und hält im Maintenance-Modus Security-Updates aufrecht [6]. Das ist geordneter Rückbau, keine Abschaltung über Nacht. "AWS gibt IoT auf" wäre schlicht falsch. Die strategische Frage entsteht trotzdem, denn sie hängt nicht am Ton der Ankündigungen, sondern an der Struktur: Über den Lebenszyklus entscheidet allein der Anbieter.

Das Muster dahinter: Hyperscaler konsolidieren auf den Kern

Der Blick über den AWS-Zaun zeigt, dass es sich nicht um eine Amazon-Eigenheit handelt.

Google hat den Präzedenzfall geliefert: Google Cloud IoT Core wurde zum 16. August 2023 vollständig abgeschaltet, bestehende Verbindungen eingeschlossen [12]. Kein Maintenance-Modus, kein Kernbestand, sondern der komplette Rückzug aus dem direkten IoT-Plattformgeschäft.

Microsoft lieferte 2024 eine Episode, die zeigt, wie nervös der Markt inzwischen ist. Im Februar 2024 erschien im Azure-Portal eine Meldung, Azure IoT Central werde zum 31. März 2027 eingestellt [13]. Microsoft zog die Meldung kurz darauf zurück und erklärte sie zum Systemfehler [14]. Ein bestätigtes Retirement gibt es also nicht, und genau so sollte man es formulieren. Bemerkenswert bleibt die Episode trotzdem: Eine einzelne Portal-Meldung genügte, um in vielen Unternehmen Migrationsdiskussionen auszulösen, weil kaum jemand ein solches Ende für undenkbar hielt.

Parallel konsolidiert der Markt der Spezialanbieter: Am 19. Februar 2026 übernahm SUSE die proprietäre IIoT-Plattform Losant und kündigte an, die Technologie Open Source zu stellen [15]. Die Richtung ist bezeichnend: Aus einem proprietären Einzelprodukt soll ein offener Stack werden, weil Offenheit im Industrieumfeld inzwischen ein Kaufargument ist.

Das Muster: Hyperscaler ziehen sich auf die Kerninfrastruktur zurück, also Konnektivität, Datenstrom und Speicher, und überlassen die vertikale Funktionsschicht darüber Partnern oder dem Eigenbau. Für Sie als Entscheider heißt das: Das Lebenszyklus-Risiko proprietärer IoT-Dienste liegt beim Anbieter. Bei Open Source liegt es beim Nutzer, und dort ist es planbar.

Was Maintenance Mode für Ihre Planung bedeutet

Maintenance ist nicht Abschaltung, und diese Unterscheidung ist wichtig, um weder zu dramatisieren noch zu verharmlosen. Am Beispiel FleetWise dokumentiert AWS, was der Status praktisch heißt: Bestandskunden nutzen den Dienst weiter, Security-Updates laufen, die Verfügbarkeit bleibt; ein Abschaltdatum ist nicht genannt [6]. Dasselbe gilt für SiteWise Monitor und Device Defender Detect: kein Endtermin, und keinen sollte man behaupten.

Für Ihre Planung bedeutet der Status dennoch dreierlei. Erstens ist er ein Investitionssignal: Die Roadmap ist eingefroren, Funktionen, die Ihnen heute fehlen, werden nicht mehr kommen. Zweitens schließt der Neukundenstopp die Tür für Wachstum: Für neue Projekte, neue Ausschreibungen und neue Setups steht der Baustein nicht mehr zur Verfügung. Drittens definiert Maintenance Ihr Exit-Fenster: Solange der Status gilt, migrieren Sie ohne Stichtag-Druck und zu selbst gewählten Konditionen. Ob auf Maintenance irgendwann ein Endtermin folgt, entscheidet der Anbieter. Die Fälle IoT Events und IoT Analytics zeigen, wie ein Endtermin aussieht, wenn er kommt: hart, inklusive Verlust des Zugriffs auf Konsole und Ressourcen [1][2]. Das ist keine Prognose für FleetWise und Co., aber ein Grund, den eigenen Migrationszeitpunkt nicht dem Anbieter zu überlassen.

Die Strategie-Frage: Baukasten weiterbauen oder Plattform wechseln

Wann AWS IoT die richtige Wahl bleibt

Ehrlichkeit gehört in beide Richtungen. Der AWS-IoT-Baukasten bleibt eine gute Wahl, wenn Ihre IoT-Daten ohnehin tief in AWS-Workloads integriert sind, etwa in einen Data Lake oder in ML-Pipelines, die den eigentlichen Geschäftswert liefern. Er bleibt es auch, wenn Sie extreme Elastizität brauchen, weil Gerätezahlen und Last stark schwanken, oder wenn ein eingespieltes Cloud-Team die weggefallenen Bausteine als Eigenbau aus Kinesis, Lambda und Co. tragen kann und will. Und wer ausschließlich IoT Core und Device Management nutzt, ist von der Abbauliste schlicht nicht betroffen. Auch Koexistenz ist legitim: IoT Core als Ingest-Schicht, eine Plattform wie ThingsBoard als Applikationsebene darüber.

Wann eine Open-Source-Plattform der robustere Pfad ist

Die Rechnung kippt, sobald Dashboards, Alarmlogik und Device Management Produktfunktionen sein sollen statt Bauprojekte. Genau diese Schicht hat AWS 2025/2026 ausgedünnt, und genau diese Schicht ist der Kern einer Plattform wie ThingsBoard. Sie kippt auch, wenn die DSGVO-Bewertung ohne Drittland-Komplexität auskommen soll, wenn der Datenstandort Deutschland gefordert ist, oder wenn Anbieterunabhängigkeit eine strategische Anforderung ist: Apache-2.0-Code kann Ihnen niemand abschalten. Ehrlich ergänzt: Auch ein Open-Source-Projekt kann die Richtung ändern, deshalb zählt die dokumentierte LTS-Politik mit öffentlichen Support-Fenstern [17]. Den Grundsatzvergleich der beiden Welten führen wir in ThingsBoard vs. AWS IoT Core.

Entscheidungsmatrix: AWS-IoT-Baukasten vs. Managed ThingsBoard

Dimension AWS-IoT-Baukasten Managed ThingsBoard (z. B. thingshost)
Lebenszyklus-Kontrolle Anbieter entscheidet; 2025/2026 mehrere EoS-/Maintenance-Fälle [3][5][7] Apache-2.0-Code [18], öffentlicher LTS-Fahrplan [17], Weiterbetrieb notfalls in Eigenregie
Funktionsumfang IoT Core stark bei Ingest und Flotte; Dashboards, Alarm- und Analytics-Schicht nach den EoLs Eigenbau Dashboards, Alarm Rules, Rule Engine, Device Management in einer Plattform [16]
Betriebsmodell Self-Service aus Einzeldiensten, Integration beim Kunden Vollständig verwaltete dedizierte Instanz [19]
Kostenmodell Pay-per-Use über mehrere Dienste, schwer prognostizierbar Flatrate ab 149,90 €/Monat (CE, DE-Region) [19]
Datenstandort / Compliance AWS-Region wählbar, Bewertung als US-Anbieter bleibt Hosting in Deutschland möglich, AV-Vertrag [19]
Exit-Kosten Hoch bei tiefer Service-Verzahnung Offene Protokolle (MQTT, CoAP, HTTP) [18], portable Instanz
Skalierung Praktisch unbegrenzt elastisch Dediziert dimensioniert, HA-Cluster im Enterprise-Plan [19]
Ökosystem Tiefe AWS-Integration (ML, Data Lake) unerreicht Integrationen über die Rule Engine, kein natives AWS-Ökosystem

Ob eine gemanagte Instanz, die Public Cloud des Herstellers oder Self-Hosting zu Ihrem Team passt, haben wir separat aufgeschlüsselt in ThingsBoard Hosting: Cloud vs. Self-Hosted vs. Managed.

Der konkrete Ausweg: ThingsBoard 4.3 und der Migrationspfad

Die technische Basis für den Wechsel ist heute reifer als je zuvor. ThingsBoard 4.3, veröffentlicht am 20. Januar 2026, bringt Alarm Rules 2.0, neue Calculated-Fields-Typen für Geofencing, Propagation und Aggregationen über verknüpfte Entitäten und Zeitreihen, API Keys für den REST-Zugriff ohne Nutzer-Credentials sowie systemweit erzwingbare Zwei-Faktor-Authentifizierung [16]. Die 4.3-Linie ist Active LTS mit dokumentiertem Support bis zum 20. Juli 2027, der aktuelle Patch 4.3.1.3 stammt vom 1. Juli 2026 [17]. Das ist der Kontrast zur Abbauliste: Der Lebenszyklus steht öffentlich in einer Release-Tabelle statt in einer Abkündigungsmail.

Für die Migration zählt vor allem: Die Community Edition steht unter Apache 2.0 und spricht MQTT, CoAP und HTTP [18]. Geräte, die heute per MQTT an AWS IoT Core senden, müssen kein neues Protokoll lernen. Die Zustands- und Alarmlogik aus AWS IoT Events lässt sich auf Alarm Rules 2.0 abbilden, Schritt für Schritt dokumentiert in unserem Migrationsleitfaden zum IoT-Events-Support-Ende. Und Dashboards, die Rolle von SiteWise Monitor, sind in ThingsBoard Kernfunktion statt Zusatzprodukt. Ehrlich bleibt die Grenze: Die FleetWise-spezifische Fahrzeugsignal-Dekodierung (CAN/OBD) und eine generische Edge-Runtime wie Greengrass ersetzt ThingsBoard nicht 1:1; wer genau diese Bausteine braucht, muss sie separat lösen. Ob die Community Edition reicht oder die Professional Edition mit White-Labeling und SSO nötig ist, klärt ThingsBoard CE vs. PE 2026.

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DSGVO, NIS2 und Data Act: der EU-Blick

Ein erzwungener Umbau ist der natürliche Moment, den Datenstandort gleich mitzuentscheiden. Wer US-Cloud-IoT einsetzt, muss den Drittlandtransfer bewerten; der CLOUD Act betrifft US-Anbieter unabhängig davon, in welcher Region die Daten liegen. Unternehmen, die unter die NIS2-Pflichten fallen, müssen Risiken in der Lieferkette managen, und das Lebenszyklus-Risiko eines Plattformdienstes gehört sachlich in genau diese Bewertung; wie sich diese Pflichten auf die Praxis übersetzen, zeigt unser Leitfaden zu NIS2 in OT- und IIoT-Umgebungen. Der EU Data Act schließlich bringt Zugangs-, Portabilitäts- und Wechselpflichten für vernetzte Produkte und stärkt damit strukturell das Argument für offene, wechselbare Plattformen; die Details haben wir in EU Data Act und IoT-Plattformen 2026 aufgeschlüsselt. Wichtig: Dieser Beitrag ordnet technisch und wirtschaftlich ein, er ist kein Rechtsrat. Ziehen Sie für konkrete Fragen Ihre Datenschutz- und Rechtsberatung hinzu.

Fazit: Lebenszyklus-Risiko gehört ins Risikoregister

Die Abbauliste 2026 ist dokumentierter Fakt, kein Alarmismus: zwei vollzogene Abschaltungen, drei eingefrorene Dienste, ein terminiertes Support-Ende am 7. Oktober 2026. Ebenso Fakt ist, was weiterläuft: IoT Core, der SiteWise-Kern, Greengrass V2, das Defender-Audit. AWS gibt IoT nicht auf, aber AWS hat gezeigt, dass die Funktionsschicht oberhalb der Konnektivität nicht auf Dauer garantiert ist. Behandeln Sie den Lebenszyklus Ihrer Plattform deshalb wie jedes andere Betriebsrisiko: inventarisieren, Fristen mappen, Exportzugriffe sichern, bewusst entscheiden. Wer wechselt, findet im Migrationsleitfaden zum IoT-Events-Support-Ende den konkreten Einstieg. Und wer die Kontrolle über den Lebenszyklus zurückholen will, bekommt mit einer Open-Source-Plattform unter Apache 2.0 und einem Managed-Betrieb in Deutschland genau das: Der Anbieter betreibt, aber der Anbieter kann Ihnen die Plattform nicht wegnehmen. Wie dieser Betrieb konkret aussieht, zeigt die Option, ThingsBoard als Managed Service betreiben zu lassen.

Lesetipp: ThingsBoard vs. AWS IoT Core: Open Source gegen Amazon-Cloud · ThingsBoard Hosting: Cloud vs. Self-Hosted vs. Managed · EU Data Act und IoT-Plattformen 2026


Quellen

  1. AWS IoT Events end of support (archivierter Developer Guide, Snapshot 04.06.2026)
  2. AWS IoT Analytics end of support (archivierter User Guide, Snapshot 07.12.2025)
  3. AWS Service Availability Updates (What's New, 13.10.2025)
  4. AWS IoT SiteWise Monitor availability change (offizieller Application Guide)
  5. AWS Service Availability Updates (What's New, 31.03.2026)
  6. AWS IoT FleetWise availability change (offizieller Developer Guide)
  7. AWS Service Availability Updates (What's New, 30.06.2026)
  8. AWS IoT Device Defender Produktseite (End-of-Support-Notice, Audit-Verfügbarkeit)
  9. AWS IoT Greengrass Developer Guide (V1 End of Support, Migrationspfad V2)
  10. AWS IoT Greengrass V1 Maintenance Policy (Extended-Life-Phase)
  11. AWS IoT Blog: End-of-Life für Fleet Hub zum 18.10.2025
  12. InfoQ: Google Cloud IoT Core Abschaltung zum 16.08.2023
  13. The Register: Azure-IoT-Central-Retirement-Meldung (15.02.2024)
  14. Microsoft IoT Blog: Microsoft's Commitment to Azure IoT (Richtigstellung)
  15. SUSE Pressemitteilung: SUSE Acquires Losant (19.02.2026)
  16. ThingsBoard 4.3 Release: Alarm Rules 2.0, Calculated Fields, API Keys
  17. ThingsBoard Releases-Übersicht (LTS-Fahrplan, Versionshistorie)
  18. ThingsBoard GitHub Repository (Apache 2.0, Protokolle)
  19. thingshost.de - Managed ThingsBoard Hosting (Regionen, Preise, Testphase)

Häufige Fragen

Welche AWS-IoT-Dienste sind 2026 abgekündigt oder eingefroren?▼
Die dokumentierte Liste umfasst sechs Dienste und Funktionen: AWS IoT Analytics erreichte sein Support-Ende am 15. Dezember 2025 (Neukundenstopp seit 24. Juli 2024). AWS IoT Events folgte am 20. Mai 2026 (Neukundenstopp seit 20. Mai 2025). SiteWise Monitor und der SiteWise Edge Data Processing Pack nehmen seit dem 7. November 2025 keine neuen Kunden mehr auf, AWS IoT FleetWise seit dem 30. April 2026, Device Defender Detect ab dem 31. August 2026. AWS IoT Greengrass V1 erreicht sein Support-Ende am 7. Oktober 2026. Für die Dienste im Maintenance-Modus ist kein Abschaltdatum genannt.
Ist AWS IoT Core selbst auch abgekündigt?▼
Nein. AWS IoT Core, der MQTT-Broker und das Fundament des Portfolios, taucht in keinem der drei Service-Availability-Updates vom Oktober 2025, März 2026 und Juni 2026 auf und hat keine Lifecycle-Ankündigung. Auch der SiteWise-Kerndienst, Greengrass V2, IoT Device Management und das Device-Defender-Audit-Feature laufen regulär weiter. Betroffen sind spezialisierte Zusatzdienste oberhalb der Kern-Konnektivität, nicht das Fundament.
Was bedeutet Maintenance Mode bei AWS konkret?▼
Bestandskunden können den Dienst weiter nutzen, Security-Updates werden weiter geliefert, aber es kommen keine neuen Funktionen mehr und Neukunden werden nicht mehr aufgenommen. Ein Abschaltdatum ist für die eingefrorenen IoT-Dienste (SiteWise Monitor, FleetWise, Device Defender Detect) nicht genannt. Für die Planung heißt das: Die Roadmap ist eingefroren, und ob und wann ein Endtermin folgt, entscheidet allein der Anbieter.
Warum baut AWS sein IoT-Portfolio zurück?▼
Eine offizielle Detailbegründung nennt AWS nicht. Beobachtbar ist ein Muster: Hyperscaler konsolidieren ihre IoT-Portfolios auf die Kerninfrastruktur, also Konnektivität, Datenstrom und Speicher, und ziehen sich aus vertikalen Mehrwertdiensten wie Analytics-Pipelines, Dashboard-Frontends und Spezialdiensten zurück. Google hat mit der kompletten Abschaltung von Google Cloud IoT Core am 16. August 2023 den Präzedenzfall geliefert. Entscheidend sind weniger die Motive als die Konsequenz: Der Lebenszyklus proprietärer Dienste liegt allein beim Anbieter.
Was sollten Unternehmen tun, die betroffene AWS-IoT-Dienste nutzen?▼
Erstens: Inventur. Prüfen Sie, welche der sechs betroffenen Dienste produktiv im Einsatz sind. Zweitens: Fristen mappen, allen voran das Greengrass-V1-Support-Ende am 7. Oktober 2026. Drittens: Definitionen und Konfigurationen exportieren, solange der Zugriff besteht; bei IoT Events und IoT Analytics verschwanden mit dem Stichtag Konsole und Ressourcen. Viertens: bewusst zwischen einem Eigenbau aus AWS-Bausteinen und einem Plattformwechsel entscheiden, statt später unter Zeitdruck zu reagieren.
Welche Alternativen empfiehlt AWS selbst?▼
Für SiteWise-Monitor-Dashboards empfiehlt AWS die Migration zu Amazon Managed Grafana. Für Greengrass V1 ist der offizielle Pfad die Migration auf Greengrass V2. Für abgeschaltete Dienste wie IoT Events hat AWS Migrationsanleitungen veröffentlicht, die die Funktionalität durch selbst betriebene Pipelines aus mehreren AWS-Diensten nachbauen; das ist ein Bauprojekt in Ihrer Verantwortung, kein 1:1-Produktersatz. Die Details zum IoT-Events-Fall haben wir in einem eigenen Migrationsleitfaden dokumentiert.
Wann bleibt AWS IoT trotz der Abkündigungen die richtige Wahl?▼
Ehrliche Kriterien: wenn Ihre IoT-Daten ohnehin tief in AWS-Workloads wie Data Lake und ML-Pipelines integriert sind, wenn Sie extreme Elastizität für stark schwankende Gerätezahlen brauchen, wenn ein eigenes Cloud-Team den Eigenbau der weggefallenen Bausteine tragen kann, oder wenn Sie ausschließlich IoT Core und Device Management nutzen und keiner der abgekündigten Dienste im Einsatz ist. In diesen Fällen besteht akut kein Handlungsdruck.
Kann ThingsBoard die Funktionen der abgekündigten AWS-Dienste abdecken?▼
Zu großen Teilen, aber nicht vollständig. Die Zustands- und Alarmlogik aus AWS IoT Events lässt sich auf Alarm Rules 2.0 in ThingsBoard 4.3 abbilden. Dashboards und Visualisierung, die Rolle von SiteWise Monitor, sind Kernfunktion der Plattform, und Calculated Fields decken typische Aggregations-Szenarien ab. Ehrliche Grenzen: Die FleetWise-spezifische Fahrzeugsignal-Dekodierung (CAN/OBD) und eine generische Edge-Runtime wie Greengrass ersetzt ThingsBoard nicht 1:1. Wer genau diese Bausteine braucht, muss sie separat lösen.
Was kostet Managed ThingsBoard bei thingshost?▼
Bereitstellung und Vertragsbedingungen werden mit WZ-IT im Angebot vereinbart. Es gibt kein Self-Service-Portal und kein automatisches Testabonnement.
Wie läuft der Umstieg von AWS IoT auf thingshost ab?▼
Geräte, die heute per MQTT an AWS IoT Core senden, sprechen dasselbe Protokoll wie ThingsBoard; daneben werden CoAP und HTTP unterstützt. Sie erhalten eine dedizierte, vollständig verwaltete Instanz mit Hosting in Deutschland und AV-Vertrag. Die Zustands- und Alarmlogik aus AWS IoT Events bilden Sie auf Alarm Rules 2.0 ab; die einzelnen Schritte dokumentiert unser Migrationsleitfaden zum IoT-Events-Support-Ende. Empfehlenswert ist ein Parallelbetrieb, bei dem Telemetrie eine Zeit lang an beide Systeme geht, bevor Sie umschalten.
Timo Wevelsiep

Geschrieben von

Timo Wevelsiep

Co-founder, WZ-IT

Gründer von WZ-IT. Managed ThingsBoard IoT-Plattform Hosting. Fokus auf IoT-Infrastruktur, Datenvisualisierung und skalierbare Device-Management-Lösungen.

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